Einfamilienhaus
Haus S
"Zur Qualität eines Architekten gehört auch ein leistungsfähiges und engagiertes Netzwerk von Handwerksbetrieben und Dienstleistern. Mir ist es wichtig, dass ich mit dem jeweiligen Gewerk meine Ideen offen diskutieren kann und ein fundiertes fachliches Feedback darüber bekomme, ob und wie sie sich realisieren lassen", sagt Klaus Mäs. Hinzu kommt die Art und Weise, wie er Bauherren betreut: "Als Architekt bin ich ja so etwas wie ein Schneider. Auftraggeber kommen mit bestimmten Vorstellungen zu mir. Und ich versuche, den perfekten Anzug zu entwerfen. Deshalb finde ich im Vorfeld ausführliche Diskussionen entscheidend." So nahmen die Bauherren gemeinsam mit dem Architekten nahezu jeden denkbaren Wohn- und Einrichtungsaspekt vorweg, den sie sich für ihr zukünftiges Heim als Ideal wünschten. "Wir gingen davon aus, dass wir nur einmal im Leben bauen und immer hierbleiben wollen", erläutert die Bauherrin. Dementsprechend lässt sich das Haus an spätere Lebensphasen anpassen oder auch je nach veränderter Interessenlage ausstatten. Beispielsweise werden Licht und Jalousien über ein BUS-System gesteuert. Daran lassen sich z. B. etwaige später nachgerüstete Audio- und Videosysteme anschließen. Im Kellergeschoss ließe sich eine Sauna einbauen oder auch eine Einliegerwohnung einrichten. Die Kinderzimmer wurden mit 17 m2 großzügig dimensioniert, damit sie den Anforderungen auch in späteren Jugendjahren genügen werden. Sogar funktionale Details wie ein Wäscheabwurf vom Obergeschoss in den Hauswirtschaftsraum im Keller wurden bedacht.

Angeschnittener Solitär

In gestalterischer Hinsicht sollte das Haus Modernität mit einer Wohnatmosphäre verbinden, die gemütlich wirkt. Das äußere Erscheinungsbild kennzeichnet die kubische Anlage eines Baukörpers, der als Solitär inszeniert ist. Farbgebung und Materialität beschränken sich auf das Weiß der Fassade und den Grauton von Garagentor, Fenster- und Türrahmen aus Aluminium. An der Vorderfront wirken Erdgeschoss und Obergeschoss nicht aufeinander aufgestapelt oder als ein massiver Block. Vielmehr hat ihre Anmutung eine schwebende Leichtigkeit. Dies erreichte Mäs durch Substraktion: Er schnitt aus dem Kubus Teile heraus. So springt der Eingangsbereich etwas zurück, wobei das Obergeschoss über ihm zu schweben scheint. Die Situation erfüllt den Zweck eines Vordaches. Korrespondierend mit den Proportionen des Eingangsbereiches verleiht im Obergeschoss ebenfalls ein Ausschnitt aus dem Kubus der Fassade Dreidimensionaliät, geometrische Struktur und Leichtigkeit.

Mehr Licht und Raum

Das Prinzip der Substraktion tritt an der Gebäuderückseite besonders wirkungsvoll hervor. "Ausschnitte", die sich über beide Geschosse erstrecken, öffnen den Kubus, schaffen Räume: Hinter einer zwei Geschosse hohen Glasfassade entfaltet sich ein 6 Meter hoher Innenraum als Essbereich im Erdgeschoss. Ein 3 Meter hoher – zur Glasfront hin offener – Galerieraum überspannt den darunter liegenden Essbereich und erweitert das Obergeschoss noch innen in die Tiefe. Dies bringt zusätzliches Tageslicht hinein. Vor der Glasfassade zur Außenterrasse hin, ließ Mäß an der Fassade einige Betonbalken stehen. Diese rahmen nun einen angedeuteten Raum ein, der aus dem Kubus herausgeschnitten wurde und nach oben nur vom Himmel überdacht ist. Die Betonbalken zeichnen eine Linienführung des Hauses nach, die mit LED-Leuchten akzentuiert wird. Unmittelbar an den Essbereich schließt sich das Wohnzimmer an, das sich durch bodentiefe Schiebefenster ebenfalls auf die Außenterrasse öffnet. Im Obergeschoss schnitt Mäs über dem Wohnzimmer einen weiteren Bereich aus dem Kubus heraus, so dass hier der Balkon des Schlafzimmers entstand.

Architektur packt Möbel ein

Das Erdgeschoss insgesamt ist als öffentlicher Bereich ausgelegt. Abgesehen vom Gäste-WC ordnen sich in einem Konzept fließend ineinander übergehender Funktionszonen Eingang, Korridor, Treppe zum Obergeschoss, Küche mit Essbereich und benachbartes Wohnzimmer an. Wie auch im Obergeschoss setzt Mäs "dicke Wände" ein, die er mit funktionalen Eigenschaften ausstattet und die gleichzeitig im offenen Raumkonzept Zonen voneinander trennen. Zum Beispiel ist die Wand in der Küche 1,30 m dick. Zur Eingangsseite bietet sie Stauraum für die Garderobe. Zur anderen Seite präsentiert sie sich als Küchenfont mit Stauraum hinter weißen Türen aus Massivholz. Im Obergeschoss trennt eine "dicke Wand" als begehbare Ankleide und Schrank den Schlafbereich vom Bad ab.

Der Einsatz von Holz setzt ein Gegengewicht zur modernen Ästhetik. Dabei zieht sich mit Ausnahme der Bäder Eichendielenboden von BOEN Parkett leitmotivisch durch alle Räume. Der Küchenblock ist aus dem Holz der Bodendielen gefertigt, was den homogenen Eindruck stärkt. Für den Esstisch wählte Klaus Mäs massive, weiß gekälkte Eiche als ästhetische Brücke zwischen natürlicher Holzanmutung und Modernität. Die Treppe mit gläserner Brüstung ist wie ein skulpturales Objekt im Raum inszeniert. Eine Wirkung, die LED-Spotlights hervorheben. Je nachdem, aus welcher Blickperspektive man die Treppe betrachtet, erscheint sie in einer anderen Materialität: Die Stufen sind mit dem gleichen Holz der Bodendielen belegt. Von der Seite, aus der Küche heraus betrachtet, scheint die Treppe mit weiß lackierter Holzverblendung und ihrem Glasgeländer wie aus einem Stück aus der weißen Wand herausgeschnitten zu sein.

Österreichische Wohnkultur und angenehmes Raumklima

Ein offener Kamin grenzt im Erdgeschoss das an den Essbereich anschließende Wohnzimmer ab. Mit seiner vom Kamin geprägten Eingangssituation und dem im Vergleich sehr hohen Essbereich, wirkt das Wohnzimmer eher als für sich abgeschlossener Rückzugsraum. Diese Wirkung verstärkt die an den Kamin angebaute Ofenbank. Ein Anklang an österreichische Wohnkultur. Passend zu dieser Kamin-Ofenbankecke lässt sich die vom Architekten geplante Lichtlösung mit Objektleuchten sowie indirekten und dimmbaren LED-Leuchten in der abgehängten Decke einsetzen, um die Stimmung im Raum zu intensivieren.

Der Kaminstein reicht über beide Geschosse. So erreicht die Wärme den gesamten öffentlichen Bereich des Erdgeschosses sowie die "Elterninsel" im Obergeschoss. Die einschalige Bauweise des Hauses mit einem sehr gut wärmedämmenden monolithischen Stein schuf die Voraussetzung für eine entsprechend effiziente Nutzung der Energie. Darüber hinaus werden Räume über eine Gasbrennwertanlage mit Fußbodenheizung beheizt. In Verbindung mit der Ausrichtung des Gebäudes nach Norden, dank der sich die Glasfront sich nicht zu sehr aufheizt, sind beste Bedingungen für ein ganzjährig angenehmes Raumklima geschaffen.

Leben auf der "Elterninsel"

Das Obergeschoss ist als privater, abgeschlossener Wohnbereich ausgelegt, der noch einmal in sich strukturiert ist: Zwei Kinderzimmer mit einem Bad sind räumlich von einer "Elterninsel" abgesetzt. Die "Elterninsel" beinhaltet: Schlafbereich mit vorgelagertem Balkon und Ankleide mit Einbauschränken sowie das Bad. Auf Wunsch der Bauherren wurde im Bad gegenüber der freistehenden Wanne eine Sitzbank eingebaut – das Bad, auch genutzt als wohnliches Zimmer, in dem man sich miteinander unterhalten kann. Ihr Traumhaus ermöglicht den Bauherren nun manch neue Lebensgewohnheit. Unter anderem schweift vom Balkon aus der Blick in eine landschaftliche Weite, in der bei klaren Wetterlagen die Spitzen des Kölner Doms zu erkennen sind.