Konzept "Schule"
Das Thema Raum zur Bildung
Das Grundstück, auf dem eine Grundschule gebaut werden soll, befindet sich auf einer rechtsrheinisch gelegenen Kölner Landzunge, dem Deutzer Hafen. Die Momentane Nutzung beläuft sich auf Industriegewerbe mit zum Teil sogar Industriebrache. Nach Albert Speers Masterplan für Köln soll das Gebiet über zwei Fußgängerbrücken, eine von der Siegburger Straße und eine vom Rhein aus kommend, und einer schon gebauten Straße erschlossen werden. Gegenüber dem zu beplanenden Grundstück soll der Platz des zukünftigen Quartiers, also die Mitte des Viertels und damit dessen öffentlichster Ort, entstehen. Darf man an einem so öffentlichen Ort, an einem so einsichtigen und viel besuchten Platz, eine Schule errichten? Wie muss ein Gebäude beschaffen sein, um einerseits mit der Öffentlichkeit umzugehen und andererseits sein kostbar anvertrautes Gut, die Kinder, zu schützen? Wie behandele ich den Platz, der der öffentlichste Ort des Quartiers ist? Wie behandele ich das Thema der Grundschule? Wie verbinde ich die Architektur mit der Pädagogik, um für die Kinder einen Ort des Verweilen zu erschaffen? Um den Anforderungen einer Schule besser gerecht zu werden, habe ich den Masterplan in Teilen modifiziert. Die südöstlich des Baugrunds geplanten Gewerbebauten habe ich zu Wohnbauten umgeplant und ihre Maßstäblichkeit dieser Nutzung angepasst. Die Fläche des Grundstücks ergibt sich aus den Fluchten der Hafenpromenade und des zentral gelegenen Grünstreifens. Der zur Schule gehörende halb private Platz bildet sich aus den Grenzen des vorgegebenen Grundstücks. Im städtebaulichen Kontext war es mir nun wichtig, eine Schule zu entwerfen, die sich in das Gefüge der Umgebung anpasst. Die im Topos stattfindende Platzfolge auf der Süd-West/Nord-Ost-Achse setzt ich nun senkrecht dazu fort und nehme diese in meinen Entwurf mit ein. Den am Grundstück gelegenen Platz will ich mit meinem Entwurf einfassen und der Schule gleichzeitig eine Adresse und einen Eingang geben. Auf diesem Grundstück ist die Schule nun um einen zentralen Schulhof geplant, der von den Klassenräumen schalenartig eingefasst wird. Die Öffnungen des Hofes sind jeweils an den Schmalseiten gelegen und münden in zwei halböffentliche Plätze, die jeweils von einem Gebäude gegenüber den Öffnungen eingefasst werden. Um die Schule von der Öffentlichkeit der Quartiersmitte abzuschotten, ist an der Längsseite der Quartiersmitte ein Riegel geplant, der das Grundstück vom diesem abschottet die Schule vor der Öffentlichkeit schützt. Diese Funktion des Abschottens nach Außen und des Öffnens nach Innen wird durch die Art und Zahl der Öffnungen verstärkt. In diesem Riegel befinden sich die Bücherei und die Verwaltung. Darüber hinaus liegen dort auch die Spezialräume, also Kunst, Kochen, Musik und Werken. Das Unterbringen der "Arbeitsräume" im Riegel soll den Kindern den Weg von ihren Klassenhäusern, zu den Ateliers, vom Privaten zum Öffentlichen, vom Wohnen zur Arbeit. Die Schule lässt sich über den Riegel, oder seitlich am Riegel vorbei, erschließen. Erschließung oder vom öffentlichen Platz zum Privaten Hof. Der zentrale von Klassenzimmern eingefasste Hof wird von einem Laubengang eingefasst, der die Schwelle zu den vier Klassenhäusern bildet. Die Klassenhäuser bestehen aus drei Klassenräumen und einem Gemeinschaftsraum, die jeweils über den Laubengang erschlossen werden. Der Gemeinschaftsraum gliedert sich durch eine trennende Stufe, in Bibliotheks- und Rückzugsraum und einen Mehrzweckraum. Die Nasszellen sind in Nebenräume diesem Raum angeschlossen. Die beiden Öffnungen des Hofes sind jeweils durch ein Gebäude "verstellt". Dadurch wird eine direkte Erschließung vermieden und der Hof der Öffentlichkeit entzogen. Auf der Seite zum Platz hin übernimmt der Riegel diese Funktion auf der gegenüber liegenden Seite die Turnhalle. Da Kinder besonders hier vor Blicken geschützt sein sollen, wird das Gebäude nur durch Oberlichter belichtet. Das Gebäudeensemble geht sowohl auf die Anforderungen der Grundschule und des Platzes ein. Der Schulhof mit den Klassenzimmern wird durch den Riegel geschützt und ist vom Platz aus nicht direkt einsehbar. Aber der Schutz des Riegels kommt keiner unüberwindlichen Mauer gleich, sondern vielmehr einer Schwelle. Entweder man erschließt die Grundschule durch den Riegel, oder seitlich an ihm vorbei. Nun findet man sich auf einem halböffentlichen Platz wieder, dem öffentlichsten der Schule. Leon Battista Alberti definierte diesen ersten Raum des Hauses als "Sinus", als den Schoß des Hauses. Eine weitere Schwelle, ausgebildet als Verengung zweier Klassenhäuser, verbindet diesen Platz mit dem Schulhof, den Gemeinschaftsraum der Schüler und Lehrer, die Mitte der Schule. Diesen Kern, der von zwei Schalen umgeben ist, würde Gottfried Semper als den "Herd", das gesellschaftliche Element, bezeichnen. Diese Idee verweist auf die Ursprungslegende Vitruvs, nach der sich die ersten Menschen, um eine erste gemeinsame Feuerstelle herum häuslich niederließen und sich immer wieder in der Gemeinschaft auf dem nun gebildeten Platz trafen. Die Funktion des "öffentlichen" Herdes übernahm dann die häusliche Feuerstelle, der Herd. So bildet der Schulhof durch die und für die ihn umgebenen Klassenhäuser die ideelle und die wirkliche Mitte.Der Riegel und die Sporthalle sollen am Wochenende der Öffentlichkeit dienen. So ist es in das öffentliche Leben eingebunden und wird seinen Standort am Quartiersplatz gerecht. Die unterschiedliche Öffentlichkeit der Gebäude spiegelt sich in den Fassaden wieder. Die der Öffentlichkeit gewidmeten Gebäude sind geziegelt, während der Kern, der Schulhof und die Klassenhäuser weiß verputzt sind. Verbunden werden die Gebäude durch einen durchlaufenden Sockel zu einem Gebäudeensembel. Der Ziegel für diese Gebäude stammt von einem Industriegebäude, das laut dem Masterplan abgerissen werden soll. Der Sockel wird im Inneren mit Lärchenholz weitergeführt. Aus Lärchenholz bestehen auch der Holzfußboden und das Mobiliar der Räume. Der Entwurf befasst sich mit dem Thema der Bildung und setzt sich mit diesem in Zusammenspiel zwischen Architektur und Pädagogik auseinander. Die simple Form der Schule gibt ihrem Tieferen Sinn, ihrer Intension Bedeutung und zeigt dies direkt ihren Nutzern, den Kindern. Die Form die gleichzeitig Schützend und einladend gewählt ist symbolisiert für mich den Sinn des Gebäudeensembles der Grundschule. Die Weitläufigen Anlagen und sich somit ergebenden Freiflächen sind den Kinder angepasst um diesen mehr Platz zur Entfaltung zu kommen zu lassen. Das Thema der Intensität der Öffentlichkeit durchläuft den ganzen Entwurf. Im endgültigen Entwurf kann man nun gut erkennen das die Kindern einer gewissen Art der Öffentlichkeit ausgesetzt sind, damit sie sich ihr nicht vollständig verschließen. Jedoch wird in Form von verschiedenen Plätzen, Rückzugsmöglichkeiten, Privaten Höfen auf die verschiedenen Kinder eingegangen um für jeden einen Ort zu schaffen der sich zum verweilen lohnt.